Dreistreifenblattsteiger

Dreistreifenblattsteiger (Epipedobates tricolor / anthonyi) im Kölner Zoo
© Kölner Zoo

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Baumsteiger (Dendrobatidae)
Unterfamilie: Dendrobatinae

D EN 650

Dreistreifenblattsteiger, El-Oro-Blattsteiger

Epipedobates tricolor / anthonyi • The Phantasmal Poison Frog • Le dendrobate d'Anthony>

403 004 005 018 phyllobates tricolor BSLDreistreifenblattsteiger (Epipedobates tricolor / anthonyi) im Zoo Basel - Pressefoto Zoo Basel

 

 

403 004 005 018 phyllobates tricolor mapApproximative Verbreitung des Dreistreifenblattsteigers. Dunkelblau: E. tricolor; rot: E. anthonyi)

 

 

403 004 005 018 phyllobates tricolor nuernbgDreistreifenblattsteiger (Epipedobates tricolor / anthonyi), rufendes Männchen im Tiergarten Nürnberg. Pressefoto TG Nürnberg

 

 

403 004 005 018 epipedobates anthonyi opel opelDreistreifenblattsteiger (Epipedobates tricolor / anthonyi) im Opedl-Zoo, Kronberg © Archiv Opel-Zoo

 

 

403 004 005 018 epipedobates tricolor TPB KR1Dreistreifenblattsteiger (Epipedobates tricolor / anthonyi) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Dreistreifenblattsteiger sind attraktiv gezeichnete, kleine Frösche, die sich als Botschafter für den Amphibienschutz und die Erhaltung des Tieflandregenwaldes bestens eignen und teilweise selbst stark gefährdet sind. In europäischen Zoos werden sie häufig gezeigt und auch in Privathand werden sie oft gezüchtet.

Körperbau und Körperfunktionen

Die beiden Dreistreifenblattsteiger-Arten sind kleine bis mittelgroße Blattsteiger mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 16.5-(19-24)-26.5 mm, wobei Männchen etwas kleiner bleiben als Weibchen. Sie weisen eine hohe morphologische Variabilität auf, bilden ähnliche Merkmale aus und lassen sich daher schwer voneinander trennen beziehungsweise unterscheiden [2; 3; 7].

Verbreitung

Nördliches Südamerika: E. tricolor: Ekuador (Bolivar-Provinz); E. anthonyi: südliches Ekuador und Nordwest-Peru [5; 6].

Lebensraum und Lebensweise

Der Dreistreifenblattsteiger besiedelt Regenwälder des Flachlandes und trockenere Bergwälder bis ca. 1'800 m. Das Weibchen legt bis zu 40 Eier auf Bromelienblätter oder in Höhlen, die vom Männchen bewacht und bewässert werden. Die Larven schlüpfen nach 9-15 Tagen und werden dann vom Männchen zum Wasser transportiert. Die Metamorphose erfolgt nach 40-60 Tagen [9].

Gefährdung und Schutz

Das Verbreitungsgebiet des Dreistreifenblattsteigers E. tricolor ist kleiner als 5'000 km², die verfügbaren Lebensräume nehmen ab und ebenso die Froschbestände. Die Art galt daher nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2004 als stark gefährdet, wurde aber nach einer Neubeurteilung im Jahr 2016 ab 2019 nur noch als gefährdet eingestuft. Der 1999 als eigene Art abgetrennte E. anthonyi wurde 2010, überprüft und bestätigt 2018, als potenziell gefährdet eingestuft [5; 6].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Viele Terrarianer befassen sich mit der Haltung und Zucht von Dendrobatiden. Von 2001 bis 2016 wurden aus den Ursprungsländern keine Wildfänge des Dreistreifenblattsteigers exportiert. Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von 2'494 als tricolor deklarierten und 330 anthonyi-Nachzuchttieren gemeldet. Wichtigste Ausfuhrländer waren für tricolor die Niederlande und Deutschland, für anthonyi Deutschland [4].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 110 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich gut ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Wie eine Bachelorarbeit, an der sich mehrere Zoos beteiligten, ergeben hat, handelt es sich bei den in Europa gehaltenen Dreistreifenblattsteigern mit wenigen Ausnahmen um Epipedobates anthonyi [3].

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Wie Baumsteiger gehalten werden (Beispiel):

Taxonomie und Nomenklatur

Epipedobates tricolor wurde 1899, E. anthonyi 1921 beschrieben. Aufgrund einer großen phänotypischen Ähnlichkeit sowie kaum Verhaltensunterschieden zwischen beiden Arten, kam es, auch bedingt durch eine folgenschwere Fehlbestimmung in 1976, zu andauernden Verwechslungen zwischen Vertretern von E. anthonyi und E. tricolor in den folgenden Jahrzehnten. Unterscheidungen anhand äußerlicher Merkmale sind zwar möglich, jedoch bedürfen gesicherte Aussagen genetischer Tests. So konnten die Arten und deren Verbreitungsgebiete erst in 2004 durch eine kombinierte Untersuchung aus modellierten Umweltparametern und DNA-Analysen eindeutig differenziert werden [1; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. BODENSEH, P. (2015)
  4. CITES TRADE DATA BASE
  5. IUCN SSC Amphibian Specialist Group (2019). Epipedobates anthonyi. The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T55213A89201539. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2019-1.RLTS.T55213A89201539.en. Accessed on 27 June 2024..
  6. IUCN SSC Amphibian Specialist Group (2019). Epipedobates tricolor. The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T55239A98647137. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2019-1.RLTS.T55239A98647137.en. Accessed on 27 June 2024..
  7. DENDROBASE
  8. FISCHER, J.-C. (2015)
  9. HERRMANN, H. J. (2005)