Rabenkrähe (Corvus corone corone) im Tiergarten Schönbrunn
© Daniel Zupanc / Tiergarten Schönbrunn
Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Raben (Corvidae)
Saatkrähe
Corvus frugilegus • The Rook • Le corbeau freux
- Körperbau und Körperfunktionen
- Verbreitung
- Lebensraum und Lebensweise
- Gefährdung und Schutz
- Bedeutung für den Menschen
- Haltung
- Taxonomie und Nomenklatur
- Literatur und Internetquellen
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Die Saatkrähe ist in Mitteleuropa deutlich seltener als Raben- und Nebenkrähe und gilt in Europa als gefährdet. Als Paradebeispiel für einen Kulturfolger ist sie von zoopädagogischem Interesse. Da die Art aber in vielen Zoos wildlebend vorkommt, ist das Interesse, sie zu zeigen einigermaßen beschränkt, und die gehaltenen Individuen sid oft ehemals pflegebedörftige Fundvögel. Körperbau und KörperfunktionenDie Saatkrähe erreicht eine Gesamtlänge von 44-46 cm, eine Flügellänge von ca. 32 cm bzw. eine Spannweite von 81-99 cm und ein Gewicht von rund 325-670 g. Sie hat einen relativ kleinen, oben spitz zulaufenden Kopf, einen kräftigen, langen und spitzen, an der Basis hellgrauen Schnabel und grauweiße federlose Partien an der Schnabelwurzel. Der Schnabelgrund ist bei Jungvögeln noch befiedert. Das Gefieder ist uniform schwarz mit violettem Schiller, Läufe und Zehen sind schwarz [ 4, 10; 11]. VerbreitungEuropa, Asien: Die Saatkrähe ist Brutvogel in etwa 86 Ländern oder abhängigen Gebieten. Nicht-brütend kommt sie in weiteren ca. 10 Ländern vor. In Neuseeland wurde sie angesiedelt. In Österreich kommt sie fast nur im Osten vor, in der Schweiz fehlt sie im Alpenraum und südlich der Alpen [1; 10]. Lebensraum und LebensweiseDie Saatkrähe ist ein ausgesprochener Kulturfolger der seine Nahrung vorzugsweise auf landwirtschaftliche Flächen sucht und im Siedlungsgebiet auf hohen Alleebäumen, in Stadtparks und auf Friedhöfen brütet. Sie besiedelt auch bewaldete Steppen und Flussebenen mit fragmentiertem Waldland oder Baumbeständen, in Europa meistens in Höhenlagen unter 400 m. Im Winter ist sie auch entlang der Meeresküste zu finden. In den westlichen und südlichen Teilen ihres Verbreitungsgebiets ist sie ein Standvogel, im Norden und Osten ein Kurzstreckenzieher bis 3'000 km. Mit Kolonien von bis über 100 Brutpaaren ist sie ist eine stark koloniebildende Art, die in Mitteleuropa von Ende März bis Mai brütet. Das Nest wird auf Bäumen, meist in eier Höhe von 15-30 m errichtet. Bevorzugte Nistbäume sind Platane, Robinie, Ulme und Pappel. Die Vögel leben in Dauerehe. Beide Geschlechter bauen das Nest, eine unförmige Konstruktion aus Zweigen und Stöcken, dessen Mulde mit Wurzeln, trockenen Gräsern und toten Blättern ausgekleidet ist. Das Nest kann repariert und viele Jahre lang wiederverwendet werden. Normalerweise gibt es eine Jahresbrut mit 4-5 (2-9) Eiern, Nachgelege sind aber möglich. Die Eier sind bräunlich gefleckt auf hellblauem bis grünlichem Grund und messen 40x28.5 mm. Sie werden während 16-20 Tagen ausgebrütet, meist vom ersten Ei an. Die Jungen sind Nesthocker, die das Nest mkit etwa 30 Tagen verlassen. Die Vögel sind Allesfresser; ihre Hauptnahrung sind Regenwürmer (Lumbricidae) und Getreide, sie nehmen jedoch auch eine große Vielfalt anderer Wirbelloser, Wirbeltiere wie kleine Eidechsen, Frösche und kleine Säugetiere sowie Eier und Nestlinge kleiner Vögel. Sie ernähren sich weniger von Aas als Aaskrähe und Kolkrabe [1; 4; 10; 11]. Gefährdung und SchutzDie Saatkrähe hat ein enorm großes Verbreitungsgebiet und einen großen Bestand, der irgendwo zwischen 54 und 95 Millionen Erwachsenen liegt. Sie zählt daher seit 2004, letztmals überprüft 2016 global zu den nicht-gefährdeten Tierarten (Rote Liste: LEAST CONCERN). Die Europäische Population macht mit rund 1.5 Millionen Erwachsenen nur einen kleinen Teil des Gesamtbestands aus, und der Populationstrend zeigt deutlich nach unten (über -30% in zehn Jahren). Gestützt auf eine Beurteilung aus dem Jahr 2020 wurde sie daher 2021 als gefährdet (VULNARABLE) eingestuft [1; 2]. Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Art fällt nicht unter die Anhänge der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume. Aaskrähen sind nach Anhang II/2 der EG-Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG) geschützt. D.h. die Mitgliedstaaten können außerhalb der Brutzeit eine Bejagung bzw. "Regulierung" zulassen. In Deutschland ist die Saatkrähe geschützt, in Österreich ist der Schutz Ländersache. In der Schweiz ist die Art seit 2012 bei einer Schonzeit vom 16. Februar bis 31. Juli jagdbar. Die Jahresstrecken bewegten sich hier im Zeitraum 2014-2023 zwischen 76 und 257, im Mittel 178 [4; 5; 9]. Bestandssituation in Mitteleuropa: Für die Anzahl Brutpaare im deutschsprachigen Raum liegen folgende Schätzungen vor: Deutschland 105'000, Österreich: 2'100-2'500, Schweiz: 5'800-7'300, Luxemburg 3'300-3'500, Liechtenstein: 0 [2; 8]. Bedeutung für den MenschenDie Art befindet sich laut IUCN im internationalen Tierhandel. Sie wird zum Vergnügen, zur Fleischgewinnung oder weil sie als Schädling oder Lästling angesehen wird, bejagt [1;2]. BREHM stellt fest, dass "wo sie sich fest ansiedelt und allen Bemühungen des Menschen, sie zu vertreiben, den hartnäckigsten Widerstand entgegensetzt, in Lustgärten während der Nistzeit die Wege in der abscheulichsten Weise beschmutzt oder in Gehölzen nahe menschlichen Wohnungen durch ihr ewiges Geplärre die Gehörnerven fast betäubt, sehr unangenehm werden" [3]. Brutkolonien in Städten sorgen auch heute noch für rote Köpfe. In der Stadt Bern etwa lebten um 1990 etwa 30 Saatkrähen, 2013 waren es bereits 750, seitdem haben sie weiter zugenommen. Die Tiere nisten auf hohen Platanen in Stadtparks, Wohnquartieren und Alleen ein und wachsen zu ganzen Kolonien heran. Wenn sie dann alle gleichzeitige krächzen und ihren Kot auf die Fahrzeuge, Sitzbänke und Passanten unter ihnen absetzenn, führt das zu Konflikten. Basel, Bern, Murten, Solothurn, Freiburg, Zofingen, Neuenburg, Thun und Schaffhausen befinden sich in der gleichen Situation. Um die Vögel lokal zu vergrämen wurden in Bern Uhu-Attrappe aus Kunststoff in einzelnen Bäumen montiert [diverse Quellen]. HaltungAls ausgesprochener Kulturfolger ist die Saatkrähe oft wildlebend in Zoos anzutreffen. Das Höchstalter in Menschenobhut wird mit 20 Jahren angegeben [7]. Haltung in europäischen Zoos: Saatkrähen werden in etwa 30 Zoos gezeigt, die sich zu rund einem Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Dabei handelt es sich oft um Einzeltiere, die verletzt aufgefunden wurden. Für Details siehe Zootierliste. Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Rabenvögel. Taxonomie und NomenklaturDie Saatkrähe wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter ihrem heute noch gültigen Namen Corvusfrugilegus erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es werden zwei Unterarten anerkannt [4]:
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Literatur und Internetquellen
- BIRDLIFE INTERNATIONAL (2017). (2017). Corvus frugilegus (amended version of 2016 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T22705983A118782308. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2017-3.RLTS.T22705983A118782308.en. Accessed on 14 February 2025.
- BIRDLIFE INTERNATIONAL (2021). Corvus frugilegus (Europe assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2021: e.T22705983A166339000. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2021-3.RLTS.T22705983A166339000.en . Accessed on 15 February 2025..
- BREHM, A. E. (1882-1887)
- DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. & SARGATAL, J., eds. (1999)
- DEUTSCHER JAGDVERBAND
- EIDGENÖSSISCHE JAGDSTATISTIK
- GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
- KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2021)
- STADT WIEN - ARTEN UND BIOTOPSCHUTZ
- MAUMARY, L. et al. (2007)
- PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991