Renosterbos, Nashornbusch (Elytropappus rhinocerotis). Foto Abu Shakwa, Kapstadt
Prächtiges Bärenohr (Arctotis fastuosa), Tinie Versveld-Wildblumen-Reservat, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Blühende Geophyten im Tinie Versveld-Wildblumen-Reservat bei Darling, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Rehantilopen (Pelea capreolus) im natürlichen Lebensraum, Buntbock-Nationalpark, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Buntböcke (Damaliscus p. pygargus) im natürlichen Lebensraum, Buntbock-Nationalpark, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Geometrische Landschildkröte (Psammobates geometricus), Nähe Paarl Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Areolen-Flachschildkröte (Homopus areolatus) , Nähe Paarl, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Lebensraum der Geometrische Landschildkröte und der Areolen-Flachschildkröte, Farm Eenzamheid bei Paarl, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Weibliche Rehantilope (Pelea capreolus) mit Kitz im von Kulturland umgebenen Buntbock-Nationalpark, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Paradieskraniche (Anthropoides paradisea) auf Kulturland, ehemaligem Renosterveld bei Bredasdorp, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
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Allgemeines
Wo der Jahresniederschlag zwischen 250 und 600 mm liegt und entsprechende Böden vorhanden sind, entwickelt sich das Renosterveld, in dem etwa 1’000 Pflanzenarten gedeihen. Sind die Niederschläge höher, waschen die Böden aus und es entwickelt sich Fynbos. Sind sie tiefer, entsteht sukkulente Karoo.
Typischerweise steht das Renosterveld auf feinkörnigen Ton- oder Siltböden. Da diese sehr fruchtbar sind, wurden sie größtenteils kultiviert. Das Renosterveld, früher der Verbreitungsschwerpunkt der großen Säugetiere in der Region ("Renoster" = Nashorn), ist daher heute weitgehend Agrarland. Die Säugetierarten wurden ausgerottet oder auf kleine Schutzgebiete eingegrenzt, wo in jüngerer Zeit auch ehemals vorkommende Arten wieder angesiedelt wurden.
Vegetation und Charakterpflanzen
Die namengebende Pflanzenart des Renostervelds ist der Nashornbusch, auf Afrikaans Renosterbos (Elytropappus rhinocerotis), ein Korbblütler, dessen graugrüne Zweige mit ihren feinen, schuppenartigen Blättern nach Regenfällen ihre Farbe ins Schwarzgrüne wechseln, was auch zur Bezeichnung „Swartland“ für das nördlich von Kapstadt liegende Gebiet führte. Es ist ein maximal 2 m hoher, meist aber kleiner bleibender Strauch mit unscheinbaren Blüten. In der traditionellen Medizin wurden Alkoholauszüge von jungen Zweigen zur Behandlung von Indigestionen eingesetzt.
Auch sonst dominieren Korbblütler (Asteraceae), insbesondere die Gattungen Eriocephalus, Felicia, Helichrysum, Pteronia, Relhania. Ferner sind Schmetterlingsblütler (Fabaceae) verbreitet, etwa mit den Rotbüschen (Roojbos) der Gattung Aspalathus und es gibt aus den Familien der Gardenien (Rubiaceae), Malven- (Malvaceae) und Thymiangewächse (Thymelaeaceae) zahlreiche kleine Büsche mit kleinen grauen Blätter, deren heutige Dominanz wohl das Ergebnis Jahrhunderte langer Überweidung durch Haustiere sein dürfte.
Ursprünglich gab es sehr viel mehr Gräser (Ehrharta, Eragrostis, Merxmuellera, Pentaschistis, Tribolium und Themeda), welche die hauptsächliche Nahrungsgrundlage der wilden Huftiere bildeten. Ansonsten ist das Renosterveld reich an Geophyten, Zwiebel-, Knollen- oder Rhizompflanzen, namentlich Irisgewächsen (Iridaceae), darunter "Bobbejaanties", Arten der Gattung Babiana, deren Knollen gerne von Pavianen gefressen werden, Hypoxidaceae, wie die Kap-Sterne ("Sterretjes", Spiloxene), und Liliengewächsen (Liliaceae) sowie Orchideen. Die für den Fynbos typischen Proteen, Heiden und Kapriedgräser fehlen weitgehend.
Tierwelt
Bis ins 18. Jahrhundert kamen Kap-Bergzebra, Quagga, Kaffernbüffel, Blaubock (Hippotragus leucophaeus), Elenantilope, Kuhantilope, Buntbock und Elefant in großen Herden vor und Spitzmaulnashorn, Kaplöwe, Leopard, Gepard, Wildhund und Tüpfelhyäne waren häufig. Landwirtschaftliche Nutzung und nicht nachhaltige Bejagung führten dazu, dass das Großwild aus dem Renosterveld verschwand. Quagga, Blaubock und Kaplöwe wurden im 19. Jahrhundert ganz ausgerottet, das Spitzmaulnashorn verschwand um 1853 aus der Kap-Provinz, vom Buntbock überlebten einige wenige Tiere, die übrigen Arten zogen sich ins Innere Afrikas zurück.
Heute leben in der Kapregion wieder 1'500 Buntböcke und weitere 2'000 außerhalb. Überlebt haben nebst dem Buntbock mittelgroße Arten, wie Rehantilope, Steinböckchen, Kap-Greisbock, Grauducker, Karakal, Kapmanguste, Erdwolf, Löffelhund, Kapfuchs, Honigdachs, Zorilla, Stachelschwein, und natürlich Kleinsäuger, wie Striemengrasmaus (Rhabdomys pumilio), Gold- (Amblysomus corriae) und Kap-Blessmull (Georychus capensis).
Das heute überwiegen für den Ackerbau genutzte Renosterveld von Caledon bis Riversdale ist unter der Bezeichnung "Overberg Wheatbelt" ein ornithologisch wertvolles Gebiet (IBA ZA094). Typische Vögel sind Gackel- (Eupodotis afra) und Stanleytrappe (Neotis denhami), Sekretär, Paradieskranich und die gefährdete Mohrenweihe (Circus maurus); ferner Knysnaspecht (Campethera notata), Kap-Langschnabellerche (Certhilauda curvirostris), Kap-Bülbül (Pycnonotus capensis), Veldschmätzer (Cercomela sinuata), Goldbrust-Nektarvogel (Nectarinia = Anthobaphes violacea), Kaphonigfresser (Promerops cafer) und Hottentottengirlitz (Serinus tottus).
Mehrere Schildkrötenarten kommen im Biom, vor, so Panther-, Schnabelbrust-, Flach- (Homopus areolatus) und Geometrische Landschildkröte (Psammobates geometricus).
Zu den spektakulären Amphibienarten gehören der Calla-Riedfrosch (Hyperolius horstockii)und der Gespenstfrosch (Heleophryne purcelli).
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